Der Schuh des Manitu Szenenbild 18 © 2001 herbX film

Der Schuh des Manitu: Produktionsnotizen

Karl May Meets Sergio Leone 

Nachdem er 1999 mit dem Kassenknüller "Erkan & Stefan" den Agentenfilm tüchtig auf die Schippe nahm, knöpfte sich Comedy-Ass Michael Bully Herbig sein Lieblings-Genre vor: Western. Und wie vom Autoren, Darsteller und Produzenten der 1997 überaus erfolgreich in ProSieben gestarteten "bullyparade" zu erwarten, entstand hier ein großartiger Spaghetti-Western im Stil der 60er und 70er Jahre. So ist das im Frühsommer 2000 in der südspanischen Wüste und den Münchner Arri-Studios aufwendig gedrehte Cowboy-und-Indianer-Opus ebenso dramatisch wie auch actionreich, ähnlich einem Sergio-Leone-Western.

 

Traumprojekt für zwei Jahre

Doch bis zur Film-Premiere war es noch ein langer Weg - und nicht selten auch ein ziemlich unkonventioneller. Aber wen wundert’s, dass bei einer Produktion, für die Bully verantwortlich zeichnet, vieles anders lief als üblich? War "Der Schuh des Manitu" doch bereits seit über zwei Jahren sein erklärtes Lieblingsprojekt. "Es hat alles ganz harmlos mit einer Idee angefangen, die nur verbal formuliert wurde", erzählt der ausgebildete Fotograf, dem nach der Ausstrahlung der ersten "bullyparade"-Folgen plötzlich bewusst wurde, wie gut seine Winnetou-Sketche wirklich beim Publikum ankamen. Wieso also diese nicht einfach zu einer typischen Western-Story ausbauen, mit uralten Versatzstücken der Cowboy-und-Indianer-Mythologie anreichern, das Ganze mit untypischen Elementen durcheinanderwirbeln und einen Spielfilm daraus machen?

"Ich habe das einfach mal so erzählt und plötzlich in leuchtende Augen geblickt." Dennoch verzögerte sich sein Plan zunächst: Bully nahm wieder Abstand von einer reinen Winnetou-Parodie – und fand mehr Gefallen an eigenen Figuren. Schließlich gab es Abahachi und Ranger bereits lange vor Winnetou und Old Shatterhand. Also setzte er sich mit den Autoren seiner TV-Show Rick Kavanian, Murmel Clausen und Alfons Biedermann zusammen, um das Drehbuch zu schreiben. "Wir hatten in relativ kurzer Zeit die erste Fassung fertig und konnten so unsere Geldgeber von der Qualität des Film überzeugen", staunt Bully. "Es gab keinen Moment, wo die Leute sagten, das funktioniert nicht, oder, es ist nicht komisch."

Das Ergebnis sind deutliche Anklänge an die unterschiedlichsten Western, vor allem an Sergio Leone und Karl May. Kein Wunder, dass selbst die Schauspieler sich ihrer Euphorie kaum noch erwehren können. So gesteht Marie Bäumer, dass dieses Bully-Werk ihr erstes Projekt gewesen sei, "das von Anfang an ein Traum war".

 

Gleich fünf Funktionen auf einmal? Das geht nun wirklich nicht!

Bis zu dem Zeitpunkt, da der Film im Kasten war, mussten noch viele Hürden überwunden werden. Als man dann am Ende einer langen Suche nach dem geeigneten Drehort auf "dem heiligen Boden von Sergio Leone" in Südspanien landete, war klar, wenn nicht hier, dann nirgends! Vor allem Bullywollte sonst nirgends drehen. "Dafür habe ich einfach gekämpft. Ich hatte diese Vision und wollte auch keine Kompromisse machen. Entweder ganz oder gar nicht. So kam das mit der Produzentengeschichte zustande. Weil ich nicht wollte, dass diese tolle Projekt abdriftet." 

Als es darum ging, den Regisseur zu besetzen, bot sich Bully an: "Ich würde es natürlich gerne machen, aber ich muss jetzt mal wissen, wie und wann das passiert." Schließlich geschah tatsächlich das Befürchtete: "Alles ging ganz schnell und plötzlich hatte ich meine vier, fünf Funktionen."

"Einmal bin ich mit ihm, dem Kameramann und den beiden Regieassistenten zusammen ans Set gefahren", erinnert sich Rick Kavanian. "Kaum saßen wir im Auto, als sie auch schon anfingen, eine volle Stunde lang über die Auflösungen zu sprechen. Solange die Fahrt eben dauerte. Als wir ankamen, zog er sich um, ließ sich schminken, telefonierte währenddessen mit dem Co-Produzenten, dann riefen andere an. Dann ist er ans Set, hat mit den Lichtleuten gesprochen und geprobt. Ich habe ihn den ganzen Tag begleitet. Am Abend war ich komplett fertig. Und das hat er 50 Drehtage lang gemacht." 

Auch Marie Bäumer denkt jetzt noch fassungslos an Bullys Einsatz: "Wir sind alle dagestanden und haben gesagt: Das ist normalerweise nicht machbar von einer einzigen Person.“

"Bully" aber nimmt’s locker. Schließlich hatte all der Stress für ihn auch sein Gutes. "Ich habe in der Zeit auch abgenommen, weil ich abends nichts mehr gegessen habe", lacht er. "Wenn ich die Bilder von früher sehe, da war ich ja ein ganz schöner Brocken. Jetzt fühle ich mich richtig wohl."

 

Drehorte 

Eine schöne Aufgabe war auch die Suche nach geeigneten Drehorten, die Michael Herbig für "Der Schuh des Manitu" aussuchte. "Der große Kompromiss wäre Jugoslawien gewesen", erläutert er. "Doch das war für mich nicht Western. Am liebsten hätte ich in Amerika gedreht. Ich habe wirklich überall gesucht, Südafrika, Australien, Marokko, und irgendwann sind wir auf dem heiligen Boden von Sergio Leone gelandet. Ich bin hingeflogen, habe es mir angeschaut und gesagt - das ist es, hundert Prozent."

So wurde der Großteil des Films schließlich im südspanischen Almeria gedreht. Eine Entscheidung, die auch Kollege Tramitz nur unterstreichen kann. "Wir waren in einer wunderbaren Gegend." 

Bully Herbig überzeugte schon frühzeitig mit seinen Marketing-Aktivitäten. Bereits nach wenigen Tagen trug das Hotelpersonal ganz stolz T-Shirts mit der Aufschrift "Der Schuh des Manitu", und waren alle sehr erfreut, wenn die Filmcrew zahlreich an der Hotelbar versammelt war und einen gelungenen Drehtag begoss. 

Am 19. Juni 2000 fiel schließlich die letzte Klappe. Trotz normaler Katastrophen wie Sandstürmen, Regenfällen, Magenverstimmungen und mittleren Materialschäden entstand mit "Der Schuh des Manitu" ein Film, von dem das Team absolut begeistert ist. Und nicht nur das Team...