Der Schuh des Manitu Szenenbild 18 © 2001 herbX film

Gespräch mit Abahachi

Ehrenwerter Abahachi, als Häuptling der Apachen trägst Du ja jede Menge Verantwortung.

Deshalb hatte ich auch sehr früh die Idee, mit meinem Stamm an die Börse zu gehen. Das war zu der Zeit, wo wir in Schwierigkeiten waren. Da hatte ich die Idee, vielleicht gründen wir die AOL – die Apachen ohne Locken. Aber das mit den Banken ist wahnsinnig schwierig im Wilden Westen, die sind da nicht so risikobereit, weil so eine Bank dreimal in der Woche überfallen wird. Wie willst du mit so was an die Börse gehen? Ich habe mir das alles einfacher vorgestellt.

Und was hast Du dann gemacht?

Dann bin ich einfach losgezogen. Ich dachte mir, ich muss auch mal raus als Häuptling, ich muss auch ein bisschen für Gerechtigkeit und Frieden sorgen. Es ist auch eine schwierige Zeit gewesen da mit der Unabhängigkeit,  Nord- Südstaaten-Konflikt, etc... Irgendwann bin ich dann bei der Jagd auf einen unbeschrankten Bahnübergang gestoßen. Plötzlich hör‘ ich ein „OBACHT!“ (Aufgepasst!) Es war der Ranger. Er hat mich damit vor einem heranrasenden Zug gewarnt und mir somit das Leben gerettet. Und wenn ein Mensch einem anderen das Leben rettet, dann hat man einen derartigen sozialen Druck, dass man halt Blutsbruderschaft machen muss.

Aber ihr kanntet euch doch kaum?

Naja, in so einem Fall kann man sich halt seinen Blutsbruder nicht aussuchen. Wir haben uns dann schon irgendwie aneinander gewöhnt, aber es gibt halt ein paar Dinge, die versteht er einfach nicht. Ständige Diskussionen und immer die selben Vorwürfe – warum ich gerne schleiche oder Spuren lese. Aber ich hör schon gar nicht mehr hin!

Immerhin scheint er wenigstens von Frauen etwas zu verstehen.

Des denkt er auch! Mir geht des wahnsinnig auf die Nerven, wenn er jeder Frau seinen Bärenkiller zeigen möchte. Das ist ja wohl die blödeste Anmache, die ich kenn‘. Ich habe da mehr Respekt vor den Frauen als er. Ich glaube an die große Liebe. Und eines Tages  - wer weiss, klappt‘s ja noch vielleicht mit der Uschi...

Ein Häuptling ohne Frau. Geht das denn überhaupt?

Ja, was willst du machen? Wir sind Jäger und Sammler. Du gehst raus und musst für deinen Stamm sorgen. Wo bleibt denn dann die Zeit für Freizeit? Wann soll ich denn eine Frau kennen lernen? Doch nicht auf der Jagd! Das muss man doch verstehen!

Wo kommt ihr eigentlich her?

Wir sind Südstaatler, daher haben wir diesen Akzent. Der is angeboren. Aber neben dem Nord- Süd-Gefälle im Wilden Westen, gibt es ja auch noch den Westen und den Osten. Wobei es noch nie einen Western gab, der am Meer spielte. Aber der Westen hört ja bekanntlich beim Pazifik auf.Warum sind da keine Indianer – frag‘ ich mich? Ziemlich verwirrend, gell! Man könnte also sagen, hier handelt es sich um einen "Wilder Süd-Western"! Sozusagen ein ganz neues Genre.

Du hast ja einen ganz einen süßen Zwillingsbruder. Wie ist so Dein Verhältnis zu Winnetouch?

Sehr herzlich. Ich fühle mich natürlich für ihn verantwortlich. Dass ich einen schwulen Zwillingsbruder habe, war lange Jahre das bestgehütete Geheimnis im Wilden Westen. Das wurde bei uns im Stamm akzeptiert. Es ist ja nichts Schlimmes ein Mädchen zu sein. Ich wurde manchmal da auch mit hineingezogen und musste dann mit seinen Puppen spielen. Zugegeben – war mir etwas unangenehm, aber mei...

Kein Wunder, dass Du nie ein richtiges Mädchen abgekriegt hast?

Ich habe schnell gemerkt, dass ich nicht weiterkomme, weil Frauen ja immer Verständnis wollen - Frauen haben ja dieses optimale Bild von einem Mann. Am liebsten wollen sie drei: einen zum Weggehen, Tanzen und Partymachen, einen fürs Wigwam und einen, mit dem sie reden können. Deshalb habe ich immer den Winnetouch vorgeschickt, wenn es um Verständnis ging. Er konnte über Mädchenthemen viel besser plaudern als ich. Dann irgendwann ist es aufgeflogen und da wars dann aus. Eine richtige Chance hatte ich nie.

Und hast Du nie daran gedacht, Deinen Bruder mit dem Ranger zu verkuppeln? Dann wäre für Dich der Weg zur Uschi frei gewesen.

Das glaub' ich nicht. Der Ranger ist ein Wild-West-Mann wie er im Buche steht, eine Mischung aus Clint Eastwood, dem jungen Charlton Heston und William Shatner. Und die Uschi hatte ja auch einen großen Traum. Sie wollte unbedingt Sängerin werden – die Britney Spears des Wilden Westens. Deswegen habe ich sie ziehen lassen, auch wenn es weh tat. Und dann ist sie in diesem Saloon in Rosewell City gelandet. 

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