Goethe Szenenbild 2 © 2010 Warner Bros. Ent.

Geschichte Goethe

Straßburg 1772: Der 22-jährige Jura-Student Johann Goethe hält vom Lernen sehr viel weniger als von Wein, Weib und Gesang. Für das Bürgertum hat er nur Verachtung übrig – vor allem für die schmalzigen Gedichte der in den Salons umschwärmten Poeten. Denn Goethe drängt es, sich selbst als Dichter zu verwirklichen. Mit seinem Herzblut hat er das Drama „Götz von Berlichingen“ verfasst, das er nun an einen Verleger in Leipzig schickt.

Weil Johann seine Studien vernachlässigt, versagt er während seiner Doktor-Prüfung. Sein wütender Vater ist nicht bereit, Johanns offenbar nutzloses Studium weiterhin zu finanzieren. Goethe senior verschafft dem Sohn eine Stellung als Referendar beim Reichskammergericht im Provinzort Wetzlar. Weil der „Götz von Berlichingen“ vom Verleger abgelehnt wird, ist Johann mittellos und muss sich dem Wunsch des Vaters fügen. In den labyrinthischen Korridoren des Gerichts gerät Johann schnell mit seinem strengen, sachlichen Vorgesetzten Gerichtsrat Kestner aneinander.

Doch schon bald fällt er durch seine Intelligenz auf – er lässt sich durch keine von Kestners Schikanen entmutigen und beeindruckt ihn durch die korrekte Erledigung des kaum zu bewältigenden Arbeitspensums. Damit hat er seine Probezeit am Gericht bestanden. Johann freundet sich mit seinem Referendarskollegen Jerusalem an – gemeinsam besuchen sie einen Ball. Dort lernt Johann die beschwipste Lotte Buff kennen, die ihn versehentlich anrempelt – ein großer Weinfleck auf seinem einzigen Anzug ist das Resultat. Der gereizte Wortwechsel der beiden ist kein guter Beginn für eine Bekanntschaft.

Johann und Jerusalem nutzen den Abend, um sich zu betrinken. Doch in der Kirche erlebt Johann wenig später, wie Lotte als begabte Solistin in der Messe singt. Er muss sich und seinem Freund eingestehen, dass ihn die schlagfertige junge Frau nachhaltig beeindruckt. Als Johann und Jerusalem bald darauf einen Reitausflug machen, führt sie ihr Weg nicht zufällig in das Dorf Wahlheim, wo Lotte mit ihrem Vater und ihren zahlreichen jüngeren Geschwistern wohnt. Die Besucher überraschen Lotte beim Brotbacken und verleben einen höchst vergnüglichen Tag mit ihr. Lotte spürt insgeheim, dass sie Johann ebenfalls sehr sympathisch findet. Beide Liebenden warten allerdings darauf, dass der jeweils andere den ersten Schritt tut und sich in einem Brief erklärt. So vergehen bange Tage völlig nutzlos. Doch dann halten sie es nicht mehr aus: Gleichzeitig brechen sie auf, um einander zu besuchen – Johann reitet nach Wahlheim, Lotte fährt mit ihrem Einspänner nach Wetzlar. Durch einen Zufall verfehlen sie sich auf dem Weg. Später gelingt es Lotte unter einem Vorwand ins Gerichtsgebäude zu kommen. In Johanns verlassener Kammer findet sie mehrere Entwürfe für einen Liebesbrief an sie. Auf dem Rückweg begegnen sich Johann und Lotte vor der Stadt und genießen ihr Rendezvous in der sommerlichen Natur.

Spielerisch zwingt Lotte den „Dichter“, endlich eine Kostprobe seiner Lyrik vorzutragen. Während eines Wolkenbruchs suchen die beiden Schutz in einer malerischen Ruine, wo ihre Liebe erstmals Erfüllung findet. Eine Folge dieses Rendezvous ist, dass beide Liebende eine schwere Erkältung auskurieren müssen. Gerichtssrat Kestner kennt die Familie Buff seit Jahren und bewundert die inzwischen herangewachsene Lotte. Er besucht sie an ihrem Krankenlager und Lotte spürt, wie sehr der schüchterne Kestner in sie verliebt ist, auch wenn sie diese Liebe nicht erwidert. Vater Buff hätte Kestner gerne als seinen Schwiegersohn, nicht zuletzt, weil der gern bereit wäre, die Ausbildung von Lottes Geschwistern finanziell zu unterstützen. Der Vater hofft, dass Lotte diese guten Gründe für eine Eheschließung einsieht, ohne sie direkt dazu zu drängen. Aber in einem Gespräch mit ihrer Schwester Anna merkt Lotte umso deutlicher, wie sehr ihr Vater auf Kestners Unterstützung und damit auf Lottes Zustimmung zu dieser Ehe zählt.

Unterdessen verliebt sich Jerusalem leidenschaftlich in eine ältere, rothaarige Frau – doch die Dame ist bereits verheiratet. Gleichzeitig möchte Johann seiner Lotte eine Freude machen: Er bastelt für sie ein Theater aus Papier, in dem er ihr Lessings „Emilia Galotti“ vorführen will, denn sie hat dieses heiß geliebte Stück noch nie auf der Bühne gesehen. Mittlerweile beschließt Kestner, endlich um die Hand der schönen Lotte anzuhalten und macht einen offiziellen Besuch bei den Buffs. Weil er mit Johanns Arbeit äußerst zufrieden ist, behandelt der Gerichtsrat den Referendar inzwischen zuvorkommender und lädt ihn zu einem Jagdausflug ein. Glücklich erzählt er Johann, dass er sich in Kürze verloben wolle, erwähnt dabei aber nicht den Namen der Braut. Johann freut sich für Kestner und gibt ihm Ratschläge, mit welchen Formulierungen er das Herz der Angebeteten erobern könnte. Kestner bittet Lotte in Gegenwart ihres Vaters um ihre Hand. Mit Tränen in den Augen beugt sie sich dem Wunsch des Vaters und willigt ein.

Gleich darauf schreibt sie Johann betrübt einen Abschiedsbrief, der ihn aber nicht rechtzeitig erreicht, weil er inzwischen aufgebrochen ist, um der Geliebten das von ihm aus Papier gebastelte Theater zum Geschenk zu machen. So gerät Johann ahnungslos in die festliche Verlobungsfeier im Hause Buff. Als er sich mit der schrecklichen Wahrheit konfrontiert sieht, bewahrt er mühsam Haltung. Doch aufgrund von Johanns merkwürdigem Verhalten und dem auffälligem Geschenk für Lotte merkt Kestner sofort, dass Johann und Lotte sich offenbar sehr gut kennen. Er fordert Johann auf, sofort zu verschwinden und bespricht die Situation mit seinem Schwiegervater. Der alte Buff verbietet seiner Tochter, Johann wiederzusehen. Zur gleichen Zeit beschließt Jerusalems Geliebte, die Affäre zu beenden und bei ihrem Mann zu bleiben. Johann und Jerusalem gehen auf den Jahrmarkt und berauschen sich mit Tollkirschen und Alkohol. Doch nichts kann den zutiefst enttäuschten Jerusalem trösten. Sein Kummer steigert sich zur Depression, zur Todessehnsucht: Johann muss mit ansehen, wie sein verstörter Freund sich eine Pistole an den Kopf setzt und abdrückt.

Inzwischen begreift Lottes Vater, wie sehr sie unter der Trennung von Johann leidet. Er bittet Kestner daraufhin, die Verlobung zu lösen. Der sieht seine Pläne gefährdet und ändert sein Verhalten gegenüber Johann radikal. Es kommt zum Streit zwischen den beiden – vordergründig geht es um Kestners zynische Reaktion auf Jerusalems tragischen Tod. In seinem Unglück lässt sich Johann von seinen Gefühlen hinreißen und schlägt Kestner vor Zeugen ins Gesicht. Duelle sind zwar bei Strafe verboten, aber der in seiner Ehre gekränkte Kestner sieht in dieser Situation keine andere Möglichkeit und fordert wider besseren Wissens Satisfaktion. Die beiden treffen sich mit ihren Sekundanten. Johann gibt den ersten Schuss ab und verfehlt Kestner. Kestner schießt darauf in die Luft – und verhaftet seinen Gegner wegen der Gesetzesübertretung. Johann wird im Gerichtsgebäude eingekerkert. In seiner Verzweiflung beginnt er fieberhaft mit der Niederschrift von „Die Leiden des jungen Werther“ – das ist seine und Lottes Geschichte, wobei er sich selbst Werther nennt. Im Manuskript begeht Werther aufgrund seiner unerfüllten Liebe Selbstmord.

Kestner behauptet Lotte gegenüber, Johann habe die Stadt ohne ein Wort des Abschieds verlassen – das Duell und die Inhaftierung verschweigt er seiner Braut. Lotte bereitet sich deshalb auf die Hochzeit mit Kestner vor, als der Brief mit Johanns Manuskript eintrifft. Lotte liest den Briefroman mit zunehmender Panik: Soll sie daraus schließen, dass Johann sich wie Werther umbringen wird? Zornig und angsterfüllt sucht Lotte Kestner im Gericht auf, bezichtigt ihn der Lüge und besteht darauf, Johann in der Zelle zu besuchen. Kestner begreift resigniert, dass es keinen Zweck hat, sie davon abzuhalten. Als Lotte in Johanns Zelle tritt, wissen beide, dass diese Begegnung über Leben, Liebe und Tod entscheiden wird …