Lissi und der wilde Kaiser Szenenbild 20 © 2007 herbX film

Die größten Lissi-Irrtümer

Kaiserin Elisabeth Amalie Eugenie (1837 – 98) war eine der schillerndsten der an schillernden Persönlichkeiten ganz sicher nicht armen Geschichte. Mythen und Legenden ranken sich wie Efeu um die Kaiserin der Herzen, die eigentlich gar keine Kaiserin werden sollte. Für den Job hatte nämlich ihre ältere Schwester Helene bereits einen Vertrag in der Tasche. Der aber wurde spontan annulliert, als der Thronfolger Franz sich am Tag seiner Verlobung mit Helene in Elisabeth verguckte.

Wie bei allen Großen der Geschichte vermischen sich auch bei Elisabeth Legende und Wahrheit. Was daran liegt, dass Wissenschaftler Wissenschaftlern glauben. Und deshalb Generationen von Elisabeth-Forschern ohne zu hinterfragen übernahmen, was ihre Vorgänger über die Kaiserin zu wissen glaubten. Bis heute.  

Doch damit ist jetzt Schluss! In seinem bahnbrechenden Werk „Lissi und der wilde Kaiser“ entrümpelt der renommierte Elisabethologe Michael Bully Herbig unser Geschichtsbild. Jätet das Legenden-Efeu, kratzt das Moos von den Elisabeth-Denkmälern und zeigt, wie oft wir „Wahrheiten“ aufgesessen sind, die in Wahrheit keine waren: 

1. Elisabeth sah aus wie Romy Schneider
Dieser Irrglaube hat sich bei einer breiten Mehrheit in fast ganz Europa in den frühen 60er Jahren eingeschlichen. Unverständlicher Weise, denn wer zeitgenössische Porträts der Kaiserin anschaut, entdeckt sofort: Elisabeth war zwar eine der schönsten Frauen ihrer Zeit. Doch im direkten Vergleich mit Romy waren ihre Gesichtszüge eher herbig.

2. Elisabeth litt unter Essstörungen
Ein bösartiges Gerücht, wie es Neider immer wieder über attraktive weibliche Mitglieder von Königshäusern verbreiten. Aber im Gegensatz zu Diana oder der Tochter von unser’ Sylvia wird es in diesem Fall endlich eindeutig widerlegt. Wer aus großer Entfernung abgeschlagene Mozartkugeln mit derart traumwandlerischer Sicherheit fängt, ist ganz sicher nicht essgestört. Sondern eher ein potentieller Kandidat für „Wetten, dass...?“. 

3. Elisabeth entzog sich der Strenge des Hofes durch ausgedehnte Reisen
Großbritannien, Korfu, Troja... – wo die nicht überall gewesen sein soll! Glaubt man der zeitgenössischen Boulevardpresse war Elisabeth eine Jetsetterin, lange bevor die Gebrüder Wright den Jet erfanden. Die Wahrheit ist: Elisabeths einzige ausgedehnte Reise führte sie ins doch eher benachbarte Bayern. Und so ganz freiwillig fand die auch nicht statt!

4. Elisabeth quälte ihre Hofdamen mit einer Vorliebe für endlose Wanderungen 
Ganz im Gegenteil! Wie Michael Bully Herbigs Film mit großer Detailgenauigkeit herausarbeitet, machten längere Fußmärsche der Kaiserin ausgesprochen schlechte Laune. Erst Recht, wenn sie mit höherer Geschwindigkeit stattfinden mussten. Fakt ist: Lissi liebte die Natur, zumindest bei schönem Wetter. Doch dafür musste sie keinesfalls in einem Affenzahn auf ihr herumtrampeln. Ihr liebstes war es, gemeinsam mit Franz gemütlich durch den weitläufigen Park von Schöngrün zu „panieren“. So richtig gut zu Fuß aber war sie nie!

5. Elisabeth litt zeitlebens unter ihrer kaiserlichen Schwiegermama
Nun gut – die Schwiegermama war zweifellos eine gestrenge Dame. Das musste sie auch sein, angesichts eines entscheidungsschwachen Sohns (man denke nur an seine am Verlobungstag aufgelöste Verlobung!) und eines spielsüchtigen Gatten. Ihr Image als „Schwiegerdrachen“ in der klassischen Elisabeth-Forschung begründet sich aber ganz allein aus ihrer beängstigenden Frisur (heute unter Promi-Coiffeuren bekannt als „Late Flickenschildt Look“), die erdbebensicher saß, lange bevor die erste Dose „Drei Wetter Taft“ in den Drogeriemärkten stand. Heute wissen wir: Es war eher die Schwiegermama, die unter Elisabeth litt. Weil die den denkbar ungünstigsten Moment wählte, sich entführen zu lassen. Den Tag nämlich, an dem die Schwiegermama endlich ein Mittel gefunden hatte, den bis dato unwilligen Feldmarschall willig zu stimmen. Und ausgerechnet jetzt musste das Objekt ihrer Begierde zu einer längeren Geschäftsreise aufbrechen!

6. Elisabeth nannte sich „Sissi“
Auch wenn es nur um einen harmlosen, kleinen Buchstaben geht ist dies wohl der bedeutendste Irrtum über die Kaiserin der Herzen. Schon deshalb, weil er sich über Generationen im Kopf von Milliarden Menschen festsetzte. Bei der Analyse der im kaiserlichen Nationalarchiv aufbewahrten Durchschläge der Korrespondenz, mit der die Kaiserin ihre Untertanen flächendeckend überzog, erkannte der Elisabeth-Forscher und Hobby-Graphologe Michael Bully Herbig: „Elisabeth unterschrieb ihre Briefe und Quittungen immer mit ‚Lissi’. Nur war das ‚L’ so kunstvoll geschnörkelt, dass jeder es für ein ‚S’ halten musste.“ Jeder, außer Herbig. Sein Fazit: Eine „Sissi“ gab es in Schloss Schöngrün nie. Elisabeth vom Kaiserreich wollte immer nur „die Lissi“ sein!