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(T)Raumschiff Surprise - Periode 1: Interview mit Michael Bully Herbig

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Bully, wie wird aus einem kurzen Sketch ein abendfüllender Kinofilm?

Nicht ganz leicht, da die Komik der Sketche ja eigentlich von der permanenten Langeweile der Protagonisten lebt. Das wichtigste war mir: Kork, Schrotty und Spuck dürfen die Geschichte nicht tragen müssen. Lass sie dabei sein, mehr nicht. Deshalb musste es einen Gegenpart geben. Und das konnte nur ein wahnsinnig gutaussehender Mann sein, der auf Frauen steht. Der dadurch entstehende Beziehungsclinch ist wichtiger, als der ganze Rest. Der muss funktionieren. 

Also ist der Film eine Beziehungsgeschichte? 

Unbedingt!

Würdest du dich als Regisseur nicht unbedingt im Bereich der Komik ansiedeln? Siehst du dich mehr in der Tradition von Ingmar Bergman?

Vielen Dank für den schönen Vergleich. Auch wenn’s mir niemand glaubt: Ich bin eigentlich Autorenfilmer.

Befürchtest du nicht, dass Leute deinen Film als Comedy missverstehen?

Doch, tue ich. Weil es mir beim Schuh des Manitu auch schon so ging.

 (T)Raumschiff Surprise - Periode 1 entstand, weil es eine Urabstimmung der Fans gab. Es ist also der erste demokratisch entstandene Film. Hältst du das für eine längst fällige Reform des Kinos?

Ich hoffe zumindest, sie damit einleiten zu können. Ich wurde so ein bisschen angestachelt durch die Reformpläne der Bundesregierung, die zur Drehzeit gerade in die heiße Phase gingen. Ich kann nur sagen: Ich halte meine Wahlversprechen! Meine Parteifreunde und ich waren mit dem Wahlergebnis sehr zufrieden. Was mich besonders beeindruckt hat: Die Leute sind ja nicht demokratiemüde. Sie wollen wählen. Nur – sie wollen etwas wählen, was ihnen Spaß macht.

Demokratie beinhaltet Rechte und Pflichten. Welche Pflichten siehst du beim Publikum?

Zuallererst: Sie müssen ins Kino gehen. Ich möchte es nicht gleich Wahlbetrug nennen, wenn jemand etwas wählt und später nicht mehr hinguckt... Obwohl – eigentlich passiert das ja ständig. Aber nach brutalst möglicher Umsetzung meiner Wahlversprechen kann ich nur hoffen, dass mir das nicht passiert. Es hat schließlich immer mit der Qualität des Produkts zu tun. Aber ernsthaft: Am Anfang, also nach der Abstimmung in der bullyparade habe ich mich eigentlich nur gefragt: Wie viele Leute kommen wohl noch auf mich zu und fragen „Bully, ist das nicht ein enormer Druck, nach Manitu...?“

Bully, stehst du nach Manitu nicht unter enormem Druck?

Nachdem mein erster Kinofilm Erkan & Stefan mit über 1,3 Millionen Zuschauern toll gelaufen ist, war der Druck auf Der Schuh des Manitu enorm hoch. Damals hatte ich gehofft, mit meinem zweiten Kinofilm wenigstens einen Zuschauer mehr als bei meinem ersten in die Kinos zu locken. Dass es dann am Ende nicht nur einer, sondern gleich über zehn Millionen mehr waren, hat mich echt umgehauen. Soll heißen, der Zweite hatte mehr als der Erste. Der Dritte muss nicht mehr als der Zweite, sollte aber mindestens soviel wie der Erste haben. Am schönsten für den Dritten wäre irgendwas zwischen dem Ersten und dem Zweiten oder dem Zweiten und dem Ersten, wenn Sie verstehen, was ich meine...

Sind Zeitreisen schon dein Kindheitstraum gewesen?

Ja, und wenn du dich dann damit auseinandersetzt, merkst du, wie unfassbar viele Möglichkeiten es gibt. Wir haben uns als erstes gefragt: Wo wollen wir eigentlich hin? Und gleich danach: Was können wir bezahlen? Das alte Rom, die Inquisition, die französische Revolution oder die WM `74...?

War das alte Rom zu teuer?

Wir haben darüber nachgedacht. Irgendwann sind wir aber in der Ritterzeit gelandet, die ich auch sehr spannend finde, weil ich diese alten Ritterfilme liebe. Schadet also auch nichts, wenn man davon einige gesehen hat. Wenn man will, kann man in unserem Film ganz viele Anspielungen entdecken. Anspielungen auf Klischees des jeweiligen Genres, auf Spielweisen, sogar auf deutsche Synchrontexte. Aber trotz aller Inspiration aus der Filmgeschichte hoffe ich doch schwer, dass es ein Bully-Film geworden ist. Ich neige nur dazu, in einzelne Szenen ganz viel rein zu packen. Weil ich es selbst liebe, in einem Film auch beim sechsten Mal Sehen noch etwas neues zu entdecken.

Hat es dich eigentlich nie gestört, dass Zeitreisen etwas Unlogisches sind?

Wieso das denn?

Würde es Zeitreisen in der Zukunft geben, dann müssten uns doch schon Zeitreisende begegnet sein.

Wenn sie sich zu erkennen geben würden! Aber woher willst du wissen, dass sie das auch tun? Nimm beispielsweise Bill Gates: Wissen wir, ob der nicht irgendwann in der Zukunft eine ganz schlimme Niete war? Und nur die clevere Idee hatte, mit ein paar Plänen für ganz simple Programme in die 80er Jahre zurückzureisen? Ich könnte mir doch auch die Platten von Elvis in den Koffer packen, ins Jahr 1955 zurückreisen und mit „That’s alright Mama“ ein Weltstar werden. Solange ich mich nicht verrate, würde es niemand merken.

Letzte Frage: Gab es jemals Beschwerden von Homosexuellen über die tuntigen Raumfahrer?

Die Leute haben es von Anfang an geliebt. Irgendwie haben wir da einen Volltreffer gelandet. Es war anscheinend richtig gespielt, es war charmant, sympathisch, lustig... Trotzdem haben wir eigentlich darauf gewartet, dass sich jemand beschwert. Aber es kam nie was. Es gab Heterosexuelle, die gesagt haben: So was macht man aber nicht! Von Schwulen aber kamen keine Beschwerden. Eher das Gegenteil: Nach einem halben Jahr hatten wir die erste Einladung zum CSD. Ob wir nicht auf einem Wagen mitfahren wollen. Und das entspricht meinem Motto: Du kannst dich über alles lustig machen und kannst jeden auf den Arm nehmen, wenn die Betroffenen selbst darüber lachen können. Sobald du jemanden verletzt, lass die Finger davon.