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Flake am Walchensee

Als am 5. August 2008 die erste Klappe fiel, hatte Production Designer Matthias Müsse mit seinem Team schon sieben Monate darauf verwendet, jedes Haus und jedes Schiff für die gewünschte Wickie-Welt zu entwerfen und bauen zu lassen. 

Kernstück der Ausstattungsschlacht war das Wikingerdorf Flake in der Sachenbacher Bucht am Walchensee. Dass die Wikinger ausgerechnet in Oberbayern eine Filmheimat finden würden, war zunächst nicht abzusehen. 

"Wir haben im Vorfeld alles abgesucht. Von Lettland über Irland und England bis nach Nordspanien und zur Ostsee", sagt Michael Bully Herbig. "Es gab sogar mal den Gedanken, eventuell nach Neuseeland oder Kanada zu gehen. Überall waren Location Scouts, haben Fotos und Videos gemacht." Logistische Probleme, teure Drehgenehmigungen und die raue See im Herbst führten jedoch dazu, mit der Suche noch einmal von vorn zu beginnen. Diesmal vor der eigenen Haustür. 

"Obwohl Christian Becker uns immer wieder vom Walchensee vorgeschwärmt hat, konnten wir es uns nicht vorstellen und so haben wir erst auf Umwegen festgestellt, dass der Walchensee alles bietet, was wir gesucht haben", sagt Production Designer Matthias Müsse. "Die Landschaft ist einem norwegischen Fjord sehr ähnlich und das Wikingerdorf ließ sich gut in die Bucht einbetten." Durch Zufall erfuhr Matthias Müsse, dass der Walchensee vor 50 Jahren schon einmal als Kulisse für Wikingerfilme genutzt wurde. 1958 entstand dort bereits der Film "Die Wikinger" mit Kirk Douglas. 

Sechs Wochen lang errichteten Matthias Müsse und sein Team am Walchensee die zwölf Häuser von Flake. Viele Bestandteile wie Fenster, Türen und die charakteristischen Drachenköpfe waren im Vorfeld in den Werkstätten der Bavaria-Filmstudios angefertigt worden. Im Zentrum des Dorfes stand ein Marterpfahl mit gewaltigem Drachenkopf aus bemaltem Styropor und Hörnern mit einer Spannweite von fast zwei Metern. 
Historisch genau musste Matthias Müsse bei seiner Arbeit nicht vorgehen. "Ausschlag gebend war nicht die original Architektur der Wikinger, sondern die Ähnlichkeit mit dem Dorf Flake in der Zeichentrickserie", sagt der Production Designer. 

Um trotz aller künstlerischen Freiheit eine größtmögliche Authentizität erzielen zu können, mussten die Häuser alt und benutzt aussehen. Dafür wurde ein Gemisch aus Sägespänen, Leim und Farbe auf die Oberflächen gesprüht. "So wächst das optisch in die Landschaft ein und der Zuschauer hat das Gefühl, die Häuser sind über Jahrzehnte von Wind und Wetter gezeichnet worden." 

Laut Drehbuch musste das Dorf auch einem Überfall zum Opfer fallen und in Teilen durch die Brandpfeile einer wilden Horde abbrennen. "Das macht man beim Film aber nicht mit dem Streichholz, sondern durch bauliche Maßnahme"“, erklärt Matthias Müsse. So wurden einzelne Wände der Häuser abgetragen und durch schwarz gestrichene, verkohlt wirkende Bretter ersetzt. Das Special-Effects-Team um Dirk Lange sorgte zusätzlich dafür, dass aus den Ruinen ein gleichmäßig intensiver Qualm emporstieg. Jederzeit kontrollierbar, sicher und gemäß aller Naturschutzauflagen.

Die Dreharbeiten am Walchensee dauerten vom 25. August bis zum 12. September und entwickelten sich zu einem wahren Besuchermagneten. An der Absperrung zum Drehort versammelten sich täglich 400 bis 800 Schaulustige, an Wochenenden sogar bis zu 2000. "Da gab es regelrechte Völkerwanderungen", sagt Bully. 

So kann sich "Wickie und die starken Männer" rühmen, schon ein Jahr vor dem Kinostart weit über 10.000 Zuschauer gehabt zu haben. 

Einigen Häusern aus Flake blieb das übliche Kulissenschicksal erspart, nach Abschluss der Dreharbeiten zerstört zu werden. Die Häuser wurden am Walchensee abgebaut und zum Bavaria-Filmgelände gebracht, wo sie ab dem Sommer 2009 den Besuchern als neue Attraktion der Bavaria Filmtour gezeigt werden. "Ich finde das total cool", sagt Bully, "weil ich schon als Kind diese Bavaria Filmtour geliebt habe."

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